Das Ende einer Ära

Am Ende einer jeden Saison haben Vereine mit Abgängen zu kämpfen, manchmal sehr wichtiger und manchmal weniger wichtiger Spieler. Mit Lukas Grünhaupt werden die KIT SC Engineers ab der nächsten Saison auf einen ihrer prägendsten Spieler der letzten Jahre verzichten müssen. Wie bereits vor dem Saisonabschluss gegen Heilbronn innerhalb der Mannschaft angekündigt, wird der 27-Jährige seine Footballschuhe an den Nagel hängen und damit seine zehn Jahre andauernde Karriere als Spieler beenden.

Begonnen hat die illustre Karriere von Grünhaupt 2007, nachdem er im Internet auf American Football aufmerksam geworden war. In der Jugendmannschaft der Badener Greifs wurde er damals bereits von Alexander Walter gecoacht, der auch heute noch als Trainer bei den Engineers aktiv ist. Durch einen Kreuzbandriss in seinem ersten Jahr erhielt Grünhaupts Karriere einen frühen Dämpfer, der seine Begeisterung für den Sport jedoch nicht bremsen konnte. Bereits in seinem zweiten Jahr wurde er in die Baden-Württemberg-Auswahl berufen.

Umzug nach Karlsruhe und Aufstieg in die Herrenmannschaft

2009 führte ihn der Beginn seines Physik-Studiums nach Karlsruhe, was heute aus Sicht der Engineers nur als extrem glückliche Fügung betrachtet werden kann. 2010 folgte der Wechsel in die Herrenmannschaft der Greifs. Dort wurde Grünhaupt in der Anfangszeit vor allem von Trainer Stefan Cyris und Quarterback Felix Bleimund gefördert. Aus der engen Freundschaft zu Bleimund entsprang später die „Coaches-WG“, die die beiden von 2012 bis 2015 bewohnten.

Von der gemeinsamen Hingabe für den Sport angetrieben, trainierte Grünhaupt mit den Mannschaftskollegen Jens Wagner, Paul Sieffert, Sebastian Fünfgeld und Bleimund regelmäßig außerhalb des Mannschaftstrainings. Egal ob Sonne, Regen oder Schnee, irgendeine Möglichkeit gab es immer, besser zu werden.

Bei den Greifs entwickelte er sich schnell zum Führungsspieler und erhielt direkt in seinem ersten vollen Herrenspiel eine MVP-Ehrung. Dass diese wohl eher Quarterback Felix Bleimund zugestanden hätte, kann er heute guten Gewissens zugeben. Sportlich ging es zu dieser Zeit steil bergauf und 2011 gelang den Greifs der Aufstieg in die GFL 2. Dieser Schritt erwies sich allerdings für die Mannschaft als zu früh und nach dem direkten Wiederabstieg fiel das Programm zunehmend auseinander.

Der Traum vom eigenen Verein wächst

In dieser Zeit entstand bei einigen der Führungsspieler der Greifs die Vision, einen eigenen Verein zu gründen, der direkt am KIT beheimatet sein sollte. Die Engineers, die bis dahin nur als Hochschulverein das Anfängertraining organsiert und einmal im Jahr am Unibowl teilgenommen hatten, boten für diese Vision die perfekte Grundlage. Auch, dass zahlreiche Spieler der Greifs bereits zuvor zusätzlich für die Engineers aktiv gewesen waren und dort ihre wahre sportliche Heimat sahen, trug zu diesem Schritt bei.

Grünhaupt selbst hatte lange Zeit die Hoffnung, diese Vision auch ohne eine Spaltung der beiden Vereine durchsetzen zu können. Obwohl dies am Ende nicht gelang, möchte er eine Versöhnung der beiden Vereine in der Zukunft nicht ausschließen.

Im letzten Jahr bei den Greifs zerschlug ein weiterer Kreuzbandriss dann die Ambitionen, als Quarterback auf dem Platz zu stehen. 2013 folgte die Trennung der beiden Vereine. Auf Grund des großen Bedarfs nach erfahrenen Spielern bei den Linebackern wechselte Grünhaupt bei den Engineers schließlich auf die andere Seite des Balles.

Mit den Engineers bis zurück in die Regionalliga

Mit dem neuen Verein gelang 2014-2016 der Durchmarsch aus der Bezirksliga bis in die Regionalliga. Durch seine Leistungen auf und neben dem Platz und vor allem auch seinen unangefochtenen Status als Anführer der Defensive war Grünhaupt an diesen Erfolgen maßgeblich beteiligt. Auch abseits davon engagierte er sich von Anfang an enorm für den Verein. Seit der Gründung der Engineers fungiert er als sportlicher Leiter, ein Posten, den er auch nach dem Ende seiner aktiven Karriere behalten wird. Außerdem ist er seit 2010 durchgängig Jugendtrainier bei den Greifs und bei den Engineers gewesen.

Das verfrühte Karriereende entspringt nun daraus, dass sich die Dreifachbelastung aus Vorstandsarbeit, Trainertätigkeit und aktiven Spielen nicht mehr mit Beruf und Privatleben unter einen Hut bringen lässt. Aktuell promoviert Grünhaupt am KIT und ist seit seinem Auszug aus der Coaches-WG im Februar diesen Jahres nicht mehr in jeder freien Minute von Football umgeben. Dort hatte er die letzten beiden Jahre mit Engineers-Headcoach Falco Böllhoff gewohnt.

Als Trainer und Vorstandsmitglied will er den Engineers trotzdem solange wie möglich erhalten bleiben. Dass das langfristige Ziel, die GFL 2, für die Mannschaft in den nächsten Jahren erreichbar ist, hält er auch weiterhin für realistisch.

Zum Glück ist es kein kompletter Abschied von Lukas Grünhaupt als Teil der Engineers, sondern „nur“ der Verlust eines hervorragenden Spielers. Dennoch eignet sich dieser Punkt ausgezeichnet, um einmal Danke zu sagen. Für die großartigen Leistungen auf dem Platz, aber auch neben dem Platz. Und dafür, dass wir auf Letztere auch in der Zukunft noch weiter zählen können.

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